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Halifax

Die Provinzhauptstadt Halifax erscheint auf den ersten Blick sehr verschlafen und sogar die Einheimischen, sie nennen sich Haligonians, behaupten, dass nur Dank den vielen Studenten etwas los ist und deshalb irgendwo immer eine Party stattfindet. Beim genaueren Hinschauen hat aber auch Halifax, neben der äusserst interessanten Geschichte, einiges zu bieten.

Am ersten Tag haben wir vor allem die Waterfront inspiziert, ein Fussgängerbereich der beinahe die ganze Länge von Halifax abdeckt. Hier ist einiges los, es gibt kaum etwas, was nicht verkauft wird und neben den vielen kleinen Shops finden wir auch eine Brauerei und eine Markthalle. Zudem gibt es in Wassernähe mehrere Museen mit den Themen über die Explosion in Halifax, dem Untergang der Titanic, über die Marine und ihre Schifffahrt und vieles mehr.

Ich kann es nicht genau erklären, wir haben beide das Gefühl, das Halifax ein merkwürdiger Ort ist. Irgendwie gelähmt und doch freundlich und aufmerksam, irgendwie veraltet und doch hat es etwas jugendliches, irgendwie traurig aber doch bunt und lustig, wir verstehen es nicht ganz und wir können uns nicht entscheiden, ob dies ein Ort ist, den man unbedingt gesehen haben muss. Vielleicht hängt es einfach damit zusammen, dass sich Halifax einige Male aufrappeln musste, sich zwar erholte, aber trotzdem nie mehr an die früheren Erfolge anknüpfen konnte.

Wir sind gespannt, was der nächste Tag bringt und ob wir Halifax besser verstehen.

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Swissair Flight 111 Memorial

Ganz in der Nähe von Peggys Cove steht das eine der beiden Swissair Flight 111 Memorial und auf der anderen Seite der St. Margarets Bay, in Bayswater, befindet sich das zweite der beiden Denkmäler, das an die über 200 Toten des Absturzes einer MD-11 im Jahre 1998 vor der Küste erinnert. Ein so schöner Ort mit einer so traurigen Geschichte, herzliches Beileid an alle Betroffenen.

 

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Von der spröden Dame bis zur Schönheit der Natur

Etwas nach neun Uhr treffen wir in der Stube von Suzan, der Hausdame, auf die anderen B&B-Gäste. Irgendwie herrscht peinliches Schweigen, wir wissen alle nicht wie es weiter geht, bis Susan uns auffordert am Tisch Platz zu nehmen, uns vorzustellen und sie dann beginnen wird das Frühstück zu servieren (ich komme mir vor wie in einem „smell-me-feel-me“ Kurs). Das Gespräch, zu Beginn noch sehr angestrengt, wird immer lockerer. Ein pensioniertes Ehepaar, beides Biologen aus den USA und ein frisch vermähltes, junges Ehepaar aus Toronto 🙂 wissen einiges zu erzählen. Und so wird aus dem angestrengten Austausch doch noch eine ganz interessante und lockere Unterhaltung.

Übrigens Suzan Hebditch, die Tochter eines Hoteliers, hat sich mit ihrem B&B (Bailey House Bed and Breakfast) ein Kindheitswunsch erfüllt. Bevor sie hierher kam, hatte sie die Position als CEO LibraryCo. der Toronto Lawyers Association inne. Ich hätte sehr gerne etwas mit ihr geplaudert, den sie scheint eine ausserordentliche Persönlichkeit zu sein. Leider hat sie kaum gesprochen und die Fragen auch nur sehr kurz beantwortet; ganz im Stil ‚ihr habt doch sicher noch einen weiten Weg vor Euch‘. Ich glaube das Bibliothekenwesen und die Einsamkeit hier, haben die elegante Dame etwas spröde werden lassen.

Unsere Reise führt uns zum Fischerdorf Peggys Cove, wo übrigens Canadas am häufigsten fotografierter  Leuchtturm malerisch auf einem Felsmassiv steht. Es ist ein idyllischer Ort, der Hafen ist im Kern des Ortes, zwischen ebenfalls farbenfroh gestrichenen Häusern, eingebettet und rund herum stehen Kunstwerkstätte und kleine Läden wo selbstgebasteltes, aber auch Souvenirs verkauft werden. Was für ein schöner Fleck Erde.

Annapolis Royal

Unser nächstes Reiseziel heisst Annapolis Royal. Klingt für mich etwas griechisch, liegt aber in der Mitte der Westküste von Nova Scotia. Es ist ein ruhiger, beinahe verschlafener Ort, wo heute nur noch etwas mehr als 400 Einwohner leben.

Weil es am Morgen in Lunenburg geregnet hat, haben wir uns entschieden etwas früher loszufahren um unsere Entdeckungstour auf der anderen Inselseite fortzusetzen. In Annapolis Royal haben wir, in einem kleinen B&B mit nur 4 Zimmern, eine Übernachtung gebucht. Da wir jedoch schon früh losgefahren sind, sind wir an Stelle von 4 Uhr bereits um 2 Uhr im B&B eingetroffen, was der Hausdame gar nicht gepasst hat, da sie sich noch nicht zurecht gemacht hatte. Uns war das total egal, wir waren ja schliesslich an der Umgebung interessiert.

Bis Mitte des 18ten Jahrhunderts war Annapolis Royal die Hauptstadt in Nova Scotia, heute ist dies Halifax. Von der damaligen Befestigungsanlage existieren noch die sternförmig angelegten, begrünten Erdwälle. Diese sind heute ein Paradies für  Spaziergänge, da man einen weiten Blick über die breite Flussmündung hat. Neben einigen Kanonen, einem Pulvermagazin, dem Offiziersgebäude gibt es hier x Friedhöfe. Die meisten von ihnen haben ein prächtiges Eingangstor, es gibt aber keinen Zaun um die Anlagen, ein seltsames Bild.

Weiter geht es nach Digby. Die Dörfchen, Häuser sind viel schlichter als an der Ostküste und die Fischerhäfen nicht sonderlich attraktiv, trotz anstehender Touristenhauptsaison. Trotz aller Schlichtheit, Digby ist der Heimathafen der grössten Flotte von Scallop-Fischern (Jakobsmuscheln). Die Muscheln sind eine international gehandelte Delikatesse und auch in Toronto findet man auf den Speisekarten immer wieder Digby-Scallops. Hier im Dorf bekommt man sie frisch zubereitet, nur schade, dass sie praktisch alle Fische und Muscheln „zu tode frittieren“. Unbegreiflich für uns!

Ein Naturspektakel das man unbedingt erwähnen muss, ist der Tidenhub in der Bay of Fundy. Dort misst man mit bis zu 16m zwischen Ebbe und Flut den höchsten Pegelunterschied der Welt. Das heisst, zuerst Wasser in Haushöhe und später ein Spaziergang auf dem Meeresgrund.

Spät abends kehren wir zurück in unser B&B. Frühstück gibt es exakt um 9 Uhr. Jawohl, wir haben verstanden 😉 .

Bluenose

Die Bluenose war ein Schoner, der vor dem 2. Weltkrieg praktisch alle Regatten der grossen Fischereisegler rund um Halifax gewann. Leider wurde die Bluenose in die Karibik verkauft, wo sie 1946 bei Haiti auf ein Riff lief. Anfangs der sechziger Jahre entstand in Lunenburg in derselben Schiffswerft ein unveränderter Nachbau auf der Grundlage der alten Konstruktionspläne, dies war die Geburt der Bluenose II. Dieser Zweimaster verfügt über gewaltige Segel, mit welchen das Schiff bis 16 Knoten (rund 30kmh) erreichen kann. Rennen fährt dieses Schiff zwar nicht mehr, jedoch werden für Touristen mehrtätige Segeltouren angeboten.

Um den neuen Sicherheitsbestimmungen gerecht zu werden, wurde im letzten Winter die Bluenose II leicht umgebaut. So wurde zum Beispiel das Ruder angepasst, mit dem Resultat, dass das Schiff kaum mehr steuerbar ist 🙁 . Was für eine Schande, jetzt müssen wir auf ein kleineres Boot ausweichen. Adrian, ich brauche nochmals eine Auszeit, um das nachzuholen 😉 .

Der Wettergott hat es aber zum Glück gut mit uns gemeint und uns prima Wind gebracht und so wurde unser Ersatzsegeltörn doch noch zu einem positiven Erlebnis. Und hier auf dem Schiff gab es sogar einen „Segelhund“ 🙂 .

Canadian_DimeAuch wenn die Bluenose keine Rennen fährt, ist sie doch sehr populär. Jeder Kanadier kennt sie, zumal sie auch auf der 10-Cent-Münze (dime) verewigt wurde.

 

 

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Weiter geht es mit der Reise

Ganz genau geht es in Richtung Provinz Nova Scotia. Zuerst wieder mit dem Flieger, diesmal nach Halifax, und dann per Mietauto nach Lunenburg, an der Ostküste von Nova Scotia.

Lunenburg liegt an einem fantastischen Naturhafen und ist ein bezauberndes, sehr buntes Städtchen mit viel Charme, Kultur und Geschichte. Mitte des 18ten Jahrhunderts wurde es vorwiegend von Schweizern und Deutschen gegründet. Von diesen Vorfahren merkt man allerdings kaum mehr etwas, ausser vielleicht, dass alles sehr sauber und gepflegt ist, fast wie im Appenzellerland. Lunenburg wurde nach den am Reisbrett entwickelten Plänen der Kolonialmacht schachbrettartig angelegt. Deshalb sind auch einige Strassen sehr, sehr steil … ja ja die Schreibtischtäter, keine Ahnung vom Gelände, aber genau wissen wie es funktionieren soll …

Es ist erstaunlich, wie viel Geschichte es hier gibt. Normalerweise sind die Kanadier schon stolz wenn sie ein Gebäude in gut erhaltenem Zustand präsentieren können, welches vielleicht knapp 100 Jahre überlebt hat. Viele der Holzhäuser hier in der Altstadt stammen noch aus dem 18. und 19. Jahrhundert und befinden sich in erstaunlich gutem baulichen Zustand. Das Schmuckstück Lunenburg wurde übrigens zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Zum Nachtessen gibt es einen frischen, ganzen Hummer. Mmhh fein 😮 🙂 .

Back @ home

DSC01831Spät abends sind wir nach Hause gekommen. Die Wohnung steht noch und mein geliebter CN-Tower zeigt sich prächtig in allen Farben. Morgen heisst es Klamotten waschen, denn übermorgen geht es weiter nach Nova Scotia.

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Wild, wild West

Im Stanley Park Vancouver kann man bis zum Umfallen laufen, so riesig ist er. Mit seinen etwas mehr als 400 Hektaren ist er der grösste Stadtpark von Canada und der drittgrösste Nordamerikas. Durch den Park zieht sich ein rund 200km langes Netz von Spazierwegen durch Wälder, Wiesen und dem Ufer entlang. Spaziergänger, Velofahrer, Inlineskater und Tiere in Hülle und Fülle beleben den Park.

Vom Park hat man eine wunderbare Sicht auf die Skyline von Vancouver. Das Aquarium haben wir diesmal ausgelassen, weil es in der Vorsaison und wegen Maintenance-Arbeiten nur eine sehr kurze Öffnungszeit hatte. Dafür hatten wir Zeit nochmals die bronzene Statue Girl In Wetsuit zu besuchen. Die Statue erinnert uns sehr stark an die Statue Die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen und scheinbar sind wir nicht die einzigen, den ihre Installation hat zu Kontroversen geführt. Wie auch immer, sie sitzt nun schon seit 1972 auf ihrem Felsen draussen im Burrard Inlet an der Nordseite des Stanley Parks und wird häufig als Landeplatz für Möwen verwendet. Man kann sagen, der armen Dame geht es ziemlich beschissen. Trotzdem auch das Girl In Wetsuit gefällt uns.

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Als wir weiter durch den Park marschieren, sehen wir einen Hund … äh … das ist gar kein Hund, sondern ein Kojote. Wau, so einen habe ich noch nie so nahe gesehen. Halt! Nicht so schnell davon rennen, ich muss doch noch ein Beweissfoto machen 🙂 . Kurz darauf begegnet uns eine aufgeregte Frau mit ihrem kleinen Hündchen, die uns fragt, ob wir einen Kojoten gesehen haben. Ja, haben wir. Sie hat darauf hin ihren kleinen Hund ganz nahe an sich genommen. Der Kojote, ein cleverer Kerl, hat sich unter den weit hinunter hängenden Ästen eines grossen Baumes versteckt.

Neben den wilden Gänsen (ja, wir haben natürlich an unsere warmen Winterjacken gedacht – Canada Goose) fanden wir auch hier die süssen Eichhörnchen und einen Waschbär. Später am Abend dann auch noch Krabben – gekocht auf dem Teller 😉 .

Ein weiterer interessanter und schöner Tag geht zu Ende und das Wetter, welches am Morgen gar nicht so vielversprechend aussah, hat sich von der besten Seite gezeigt.

Vancouver

Obwohl wir im 2006 schon einmal hier waren, erscheint uns einiges neu. Wie in Toronto wird auch in Vancouver überall gebaut, an jeder zweiten Strassenecke gibt es eine Baustelle.

Als wir an der Vancouver Art Gallery vorbei kommen, sehen wir einen grossen, schwarzen Kopf und wundern uns, warum die Leute so frech sind und ihre gebrauchten Kaugummis auf ihn kleben. Zu unserer Überraschung stellen wir fest, dass dies die Absicht des Künstlers ist. Naaa ja?! Auf einem kleinen Warnschild steht dann aber trotzdem noch ein Satz von wegen Risiko und man sollte doch zur eigenen Sicherheit nach dem Berühren des Kopfes die Hände waschen …

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Weiter geht es via Altstadt an den Hafen. Dort finden wir einen Fischreiher, der es sich etwas gar einfach machen wollte mit dem Fisch fangen. Hat aber in der Zeit als wir ihn beobachtet haben nicht geklappt. Und wenn er noch nicht gestorben ist, so steht er immer noch da …

mal schauen was es heute leckeres gibt

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hallo Fischli

hallo Fischli

wo seid ihr den

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Es ist immer wieder faszinierend am Hafen zu stehen und das Geschehen zu beobachten. All die grossen Frachtdampfer, die Kreuzfahrtschiffe und dann natürlich auch die „privaten Villen“ auf dem Wasser 😉 . Hier kommt noch ein interessantes Element dazu, nämlich all die startenden und landenden Wasserflugzeuge. Ein richtiges Gewusel und trotzdem kommen alle aneinander vorbei.

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Morgen geht es noch in den Stanley Park bevor wir uns dann wieder auf den Weg nach Hause, ich meine nach Toronto, machen 🙂 .

Weiter geht es …

… mit der Fähre nach Tsawwassen nahe bei Vancouver. Ausser auf der Autofähre Horgen-Meilen war ich noch nie mit einem Auto auf einem Schiff. Die Dimensionen hier imponieren definitiv. Auf der Fähre haben riesige Lastwagen, Tanker und ich weiss nicht wie viel hundert Auto platz. Zudem gibt es diverse Restaurants und Spielecken für die Kinder …  eben alles sieben Schuhnummern grösser.

Die Überfahrt von Nanaimo nach Tsawwassen dauert rund zwei Stunden. Genügend Zeit um das Schiff zu inspizieren und um einen kleinen Lunch zu geniessen.

Nach der kurzen Fahrt nach Vancouver und dem Einchecken im Hotel geniessen wir, nach der guten Erfahrung in Toronto, im Rodney’s leckere Austern und Muscheln 😮 . Die Leute hier sind super freundlich und haben Freude Leute aus Toronto hier zu haben (und natürlich kennen wir auch das Steam Whistle Bier, schliesslich wird das in Toronto gebraut). Heute lernen wir etwas Neues kennen; rohe, frische Scallops, die direkt vor unseren Augen geöffnet und wie die Austern auf ihrer eigenen Schalenhälfte serviert werden. Das war eine richtige Delikatesse und für uns auch ein Highlight. Gut ist Man und Frau ab und zu mutig 🙂 .

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